Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Frömmigkeit

                              

        Es ist schon seltsam, wie oft Augenzwinkern der Vorsehung Zita in ihrer Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu und des Unbefleckten Herzens Mariae begleiteten, ihr ganzes Leben lang.

        Das Herz Jesu

Die Herz-Jesu-Frömmigkeit spielte im Leben des Seligen Kaisers Karl [1] und der Kaiserin eine herausragende Rolle. Als am 2. Oktober 1918, dem Schutzengelfest, der junge Erzherzog Otto zum ersten Mal die hl. Kommunion empfing, vollzog der Kaiser für seine ganze Familie die Weihe an das Hlst. Herz Jesu in der Kapelle der Villa Wartholz, in der Reichenau. Dabei verstand er den Begriff „Familie“ im weiteren Sinne als die große Gemeinschaft aller Völker der Habsburgermonarchie. Diese Weihe hat er dann an jedem 1. Freitag im Monat wiederholt.
Die Kaiserin selbst empfing die Erste hl. Kommunion am Herz-Jesu-Fest 1902 (einem 6. Juni) in der Kapelle von Pianore. Auf Fotos des Familiensitzes auf Madeira, der Quinta do Monte, sieht man, wie herausragend der Platz war, der dem Herz-Jesu-Bild vorbehalten war. Sowohl die Kapelle der Klosterschule in Zangberg in der Jugendzeit wie die des Klosters in Zizers im Alter waren dem Hlst. Herzen Jesu geweiht. In der kleinen Kapelle in Zizers besuchte die Kaiserin die für sie gelesene Privatmesse, als sie nicht mehr imstande war, zum Gottesdienst in die große Kapelle zu gehen.
Der Diener Gottes Pater Mateo Crawley-Boevey, Mitglied der Kongregation von den Hlst. Herzen Jesu und Mariens und unermüdlicher Förderer der Herz-Jesu-Thronerhebung in den Familien, stand der kaiserlichen Familie geistlich sehr nahe. Er hat den Kaiser oft als Vorbild des Herz-Jesu-Verehrers genannt und intervenierte beim Erzbischof Maurice Roy von Québec als die Familie die Villa St. Joseph verlassen mußte. Das Unglück dieser edlen Familie berühre ihn umso mehr, schrieb Padre Mateo, dass es auf ihr Bekenntnis zum katholischen Glauben zurückzuführen ist. Daher verdiene die Familie besondere Sympathie und Verehrung.
Für die Kaiserin war die Herz-Jesu-Verehrung keine Option, sondern der Ort, an dem sie ihren Gatten wieder begegnen würde. Er hatte ihr auf seinem Sterbebett gesagt: „Ich liebe Dich so sehr! Wir werden uns im Herzen Jesu wieder finden“. Das Herz Jesu war damit auch ein Merkmal ihrer ehelichen Frömmigkeit und Treue.
Das Unbefleckte Herz Mariens
Der hl. Johannes Eudes hat den engen Bund zwischen dem Hlst. Herzen Jesu und dem Unbefleckten Herzen Mariens gut herausgestellt. Am Ende des Lebens des Seligen Karl hob die Dienerin Gottes Mutter Virginia Brites da Paixao (1860-1929), Mystikerin auf Madeira, die priviligierte Beziehung hervor, die nach ihrer Meinung zwischen dem kaiserlichen Ehepaar und dem himmlischen Hof bestand. Da Zita vom Ruf der Heiligkeit, der die Klarissin auf der Insel genoß, erfahren hatte, bat sie um ihr Gebet für ihren kranken Gatten. Mutter Virginia antwortete Zita, es sei Jesu Wille, dass der Kaiser auf Madeira stirbt, und zwar eines natürlichen Todes und nicht infolge eines Anschlages, „den einige Deutsche und Österreicher geplant haben“. Damit warnte die Gottesmutter Zita vor den Gefahren, die sie und ihr Sohn Otto, der nach dem Tod seines Vaters neuer Kaiser werden sollte, bedrohten. Es kamen weitere Botschaften. So hatte Mutter Virginia beim Requiem für Karl in der Kirche von Monte eine Vision des Kaisers nah am Altar. Karl wollte damit Zita raten, zum Wohl der Kinder nicht wieder zu heiraten – was auch dem Standpunkt der Kaiserin entsprach. Eine andere wichtige Botschaft Mariens war, dass Jesus das Exil auf Madeira gewollt hatte, um die Ausbreitung der Herz-Mariae-Verehrung zu fördern. Mutter Virginia hatte in der Tat 1913, vier Jahre vor den Erscheinungen in Fatima, den Auftrag erhalten, die Andacht zum Herzen Mariens zu fördern (Portugal wurde 1644 von König Johann IV. der Gottesmutter geweiht und 1646 von den Cortes dem Königtums Mariens anvertraut. Pius XII. erneuerte 1942 diese Weihe). Karl und Zita waren Mitglieder der Herz-Mariae-Bruderschaft der Kirche San Pedro in Funchal und trugen deren Skapulier (Bild: Kirchendecke in Mutter Virginias Kirche San Antonio mit dem Skapulierbild, der die Gottesmutter der Mystikerin inspiriert hatte). Maria wollte damit, dass Zita auch nach ihrer Abreise nach Spanien diese Frömmigkeitsform fördert. In der Kirche Nossa Senhora do Monte ist der selige Kaiser nicht zufällig in der Herz-Mariae-Kapelle begraben.


[1] Vortrag von P. Ildefons M. Fux OSB am 22.01.2005 in Wien: „Der selige Karl von Österreich und seine Beziehung zum Herzen Jesu“. Dem Beispiel seines Uronkels Kaiser Franz Josef folgend hatte sich Karl am 11.06.1899 dem Hlst. Herzen Jesu geweiht. Jeden Herz-Jesu-Freitag hielt er eine Stunde lang die entsprechende Andacht.