Andere Formen der Christus- und Marienfrömmigkeit
Das Bild zeigt die Privatkapelle der Dienerin Gottes Zita und ihrer Familie in der Villa St. Joseph in Sillery (Québec). Sie gibt Auskunft über weitere Frömmigkeitsformen im Leben der Kaiserin.
Das Prager Jesulein
Das Prager Jesulein, dessen Andacht mit der Verehrung der Gottesmutter unter der Anrufung Maria vom Siege verbunden ist, gehört zu den wesentlichen Merkmalen der habsburgischen Frömmigkeit, der pietas austriaca. M
aria vom Siege ist das Patrozinium der zweiten Karmeliterkirche in Rom, nachdem die katholischen Armeen 1622 den Sieg am Weißen Berg bei Prag über das protestantische Heer des Böhmenkönigs Friedrich errungen hatten (Die Wahl des sächsischen Kurfürsten Friedrich zum böhmischen König durch die tschechische Protestanten fand 1619 im Widerspruch zu den Gesetzen des hl. Römischen Reiches statt und war damit als null und nichtig zu betrachten). Pater Dominikus von Jesus Maria hatte bei der Schlacht am Weißen Berg eine Marienikone getragen. Dieser Sieg wurde daher der Fürsprache der Gottesmutter zugeschrieben, wie es wiederholt der Fall ist, als Wien 1683 von der Türkenbelagerung befreit wird, was zur Einsetzung des Mariä-Namen-Festes (am 12. September) führte.
Das Prager Jesulein ist das Werk eines Mönches, der das Bild nach einer Anweisung des Herrn gestaltete. Das Schnitzwerk gehörte der hl. Teresa von Avila und später ihrer Freundin Maria Maximiliana Manrique de Lara y Mendoza, Ehrendame der Kaiserin Maria, der Frau Maximilians II. Ihre Tochter Polyxena Prinzessin Lobkowitz schenkte das Bild 1628 dem Prager Karmeliterkloster, nachdem ihr Mann Zdenko Adalbert Lobkowitz, Oberbefehlshaber am Weißen Berg, gestorben war. Das Jesulein wurde in der Kirche Maria vom Siege auf der Prager Kleinseite aufgestellt und fortan das Ziel einer großen Wallfahrts- und Andachtsbewegung, die die gegenreformatorische Zeit prägte und insbesonders von Kaiser Ferdinand II. gefördert wurde.
Dem Prager Jesulein wurde sowohl in Québec als auch in Zizers herausgehobene Standorte zugewiesen. Zita schenkte eines der Bilder der Pfarrkirche von Steenokkerzeel bei
Brüssel (Bild oben). Auch die Abtei Solesmes in Frankreich bekam eines, das allerdings nicht genau dem Prager Vorbild entspricht. Zita schenkte dem Kloster dieses Bild 1939, kurz vor Kriegsausbruch. Ihre Tochter Erzherzogin Adelheid hatte es aus Spanien gebracht, wo sie nach dem Bürgerkrieg der notleidenden Bevölkerung helfen wollte. In einer baskischen Pfarre zeigte man ihr ein Jesusbild, das die revolutionären Partisanen aus der Kirche geholt hatten, um es zu erschießen und Arme und Beine auszureißen. Der Pfarrer und die Gläubigen hatten den geschundenen Jesus der Erzherzogin als Dank anvertraut. Solesmes hat durch die Vermittlung Zitas baskische Nonnen aufgenommen, die dieses Jesulein besonders verehrten.
Maria mit dem geneigten Haupt
Die Gottesmutter in Gestalt der Madonna mit dem geneigten Haupt war eine ständ
ige Begleiterin der Kaiserin auf all ihren Reisen und Lebensstationen. Diese besondere Anrufung Mariens hat ihren Ursprung bei den römischen Karmeliten. Als er Prior des ersten Karmeliterklosters in Rom (Maria della Scala in Trastevere) und verantwortilich für den Bau des zweiten römischen Klosters war, entdeckte Pater Dominicus a Jesu Maria, der später auch das berühmte Gnadenbild Maria vom Siege auffinden wird, auf der Baustelle ein Marienbild im Schutt eines abgerissenen Hauses. Er ließ das Bild restaurieren und in seiner Zelle zur Verehrung aufhängen. Beim sorgfältigen Putzen des Bildes stellte er fest, dass das Haupt Mariens in Bewegung kam und sich neigte, so als ob die Gottesmutter ihm ein Zeichen der Dankbarkeit für die Rettung ihres Bildes schenkte. Später ließ Maria P. Dominicus Folgendes wissen:
„Ich will die Bitten derer, die mich in diesem Bilde verehren, gewähren und viele Gnaden schenken und besonders will ich die Gebete zum Troste und zur Erlösung der Seelen im Fegefeuer erhören“.
Da er diesen Schatz nicht für sich allein behalten wollte, stellte P. Dominicus das Bild in der Kirche Santa Maria della Scala öffentlich aus. Später wurde P. Dominicus ein enger Berater Kaiser Ferdinands II. in der Wiener Hofburg, wo er am 16. Februar 1630 starb. Der Karmelitenorden konnte sich dann der Bitte des Kaisers nicht erwehren, das Bild nach Wien zur privaten Verehrung in den kaiserlichen Gemächern zu schicken. Nach einer langen Reise, u.a. durch Bayern, kam das Gnadenbild 1631 in
Wien an, wo es zur „Schutzmadonna der Habsburger“ wurde. Das kaiserliche Ehepaar Ferdinand und Eleonore bekam nämlich von Maria die Botschaft
„Ich werde Österreich allezeit durch meine Fürbitte beschützen und erhalten, solange es in Frömmigkeit und Andacht zu mir verharren wird“;
Das Bild wurde 1655 den Wiener Karmeliten geschenkt und fortan ein wichtiges Wallfahrtsziel der Wiener, so auch im 1. Weltkrieg. 1935 wurde es im Auftrag von Papst Pius XI. gekrönt. Es befindet sich heute in der Karmelkirche, die den Namen des Gnadenbildes trägt, im Wiener Stadtteil Döbling.
Die Gnadenmutter von Mariazell
Die Verehrung der Gnadenmutter von Mariazell ist auch sehr habsburgisch geprägt, und zugleich und benediktinisch. Schon als frisch vermähltes Ehepaar pilgerten Karl und Zita nach Mariazell, wo Maria als Magna Mater Austriae, Magna Dominum Hungarorum und Magna Mater Gentium Slavorum verehrt wird. „Mein Mann, sagte Zita, wollte unsere Ehe bewußt und vollständig unter dem Schutz der Gottesmutter, deren Namen auf unseren Eheringen eingraviert ist, stellen. So wallfahrten wir nach der Hochzeit erst einmal zur Schutzfrau Österreichs nach Mariazell, noch bevor wir unsere Hochzeitsreise antraten“. In der Tat stand auf den Eheringen: „Karl von Österreich – Zita von Bourbon-Parma. Sub tuum praesidium confugimus sancta Die Genitrix“. Das große Marienheiligtum in den
steirischen Alpen wurde 1157 von Magnus, einem Boten des Abtes Otkar von St. Lamprecht, gegründet, der von seinem Kloster zur Seelsorge der Einheimischen in dieser dem Stift gehörenden Landschaft gesandt worden war. Auf seinem Weg hatte Magnus ein Marienbild aus Lindenholz mitgebracht. Am Abend des 21. Dezember 1157 wurde die Reise durch einen auf der Straße liegenden Fels gestoppt. Als Magnus sich im Gebet zur Gnadenmutter wendete, zerbrach der Fels und der Weg war frei. Am Ziel seiner Reise angekommen stellte Magnus das Marienbild auf einem Holzstamm und begann mit dem Bau seiner Zelle – Herberge und Kapelle in einem. „Maria Zell“ war geboren. Später kamen die Habsburger oft nach Mariazell. Sie hatten ihr Haus und ihre Völker der Gottesmutter anvertraut. Mit ihren übernationalen Anrufungen als Schutzfrau Österreichs, Ungarns und aller Slawen wurde das Gnadenbild zum Heiligtum des Vielvölkerstaates und zur Auftraggeberin der habsburgischen Mission.Bei ihrer triumphalen Rückkehr nach Österreich am 1. September 1982 begab sich Zita zunächst nach Mariazell, um dort zu beten und zu danken. Und dass das Marienzeller Gnadenbild auf dem Totenbildchen der Kaiserin abgedruckt war, ist natürlich auch kein Zufall.
Unsere Liebe Frau von Lourdes und vom Rosenkranz
Oft und gern betete Zita den Rosenkranz. Dieses Gebet ist eng mit der habsburgischen Familiengeschichte verbunden. Ihm verdankt Don Juan de Austria, der uneheliche Sohn Kaiser Karl V., den Sieg über die Türken am 7. Oktober 1571 bei Lepanto. Ihm schrieb Zita nach einem Zeugenbericht von Erzherzog Karl-Ludwig ihre wunderbare Genesung vom Magenkrebs zu.
In Zizers betete sie den Rosenkranz täglich um 17 Uhr mit den anderen Heimbewohnern. Danach betete sie allein und auswendig die Lauretanische Litanei auf lateinisch.
Kurzvideo: Kaiserin Zita mit ihrer Mutter, ihrem Sohn Otto in Lourdes und Kardinal Pacelli, dem späteren Papst Pius XII. bei der Abschlußfeier des Jubiläumsjahres der Erscheinungen im April 1935.