Kaiserin und Königin (1916-1918)

    

Im Dienste ihrer Völker

       

       Der Zeitpunkt der Thronbesteigung Karls und Zitas am 21. November 1916, nach 68 Jahren Herrschaft Franz Josephs und mitten im grausamen Ersten Weltkrieg, war denkbar schlecht. Einer kurzen Apotheose wird ein langer Kreuzweg folgen.
Die Apotheose, das war die Krönung als ungarische Herrscher in Budapest am 23. Dezember 1916. Auf dem Kopf Zitas legte man natürlich nicht die Stephanskrone, sondern die Krone der ungarischen Königinnen, die zuletzt 1867 der Kaiserin Sissi aufgelegt worden war. Allerdings legte man die „Heilige Krone“, die Karl vorbeha
lten, auf der rechten Schulter Zitas, als Zeichen, dass sie demnächst die Last ihres Gatten und Königs mitzutragen hat. Im Krönungsritual heißt es: „Empfange die Krone der Herrschaft, damit Du weißt, dass Du die Gattin des Königs bist und für das Volk Gottes Sorge zu tragen hast. Je höher Du eingesetzt wirst, desto demütiger sollst Du in Christus bleiben.“

Auch wenn Zita sich nicht in die Regierungsangelegenheiten Karls einmischte, verfolgte sie sie doch in ihren großen Linien anhand der ministerialen Berichte. Der Kaiser war es aber, der in allen Fällen die letzte Entscheidung traf, ggf. gegen Zitas Meinung, so auch bei der Amnestie vom Juli 1917, mit der die Kaiserin nicht einverstanden war. Erzherzogin Valerie hat berichtet wie ihr Vater, der alte Kaiser Franz Joseph, der Karl besonders schätzte, die sich ergänzenden Rollen im Ehepaar Karl und Zita sah: „Er war über die Art, wie Zita Karl zur Seite stand, besonders froh. Sie wußte die Qualitäten, die in Karl steckten, zu ihrer vollen Entfaltung und Reife zu bringen“.           

Schutzengel aller Notleidenden“ (Kardinal Piffl)

       Zita fokussierte ihr Augenmerk auf die sozialen Fragen. In Kriegszeiten fielen fast alle Repräsentationsaufgaben aus und Zita konnte dadurch viel Zeit karitativen Aufgaben widmen. So gründete sie ein Kinderwerk, das Geld für Notleidende sammelte. Ihr Intendant konnte schon im Dezember 1916 dem österreichischen Ratspräsidenten einen Scheck in Höhe von 650 000 Kronen und die Liste der gespendeten Güter überbringen: 15 Tonnen Schokolade, 30 000 Konserven konzentierter Milch, ein Waggon voll Kleidungsstücke und 75 000 Paare Schuhe. Zita sorgte auch für eine schnelle und effiziente Austeilung dieser Spenden. Aus dem eigenen kaiserlichen Haushalt strich sie kurzerhand Nahrungsmittel wie Weißbrot und Schokolade, um den Bedürftigen in der Monarchie nahe zu stehen. Zita scheute auch nicht, einen Kriegstreiber wie den deutschen Admiral von Holtzendorff, der ihr im Gespräch eine negative Einstellung zum Krieg vorwarf, in die Schranken zu weisen:
„-Ja, ich bin gegen den Krieg, sagte sie dem Admiral, wie alle Frauen auch, die das menschliche Geschlecht lieber glücklich sehen möchten als in Tränen“.
-Dem erwiderte Holtzendorff: „Schmerz und Hunger, na und? Ich arbeite nie besser als mit leerem Magen, man braucht nur den Gürtel enger zu schnallen und durchzuhalten!“.
-Zita ließ sich nicht aus der Fassung bringen und konterte wieder: „Ich mag es nicht, wenn vor reich gedecktem Tisch von `Durchhalten`geredet wird!“
        Abgesehen von tatkräftiger Hilfeleistung versuchte das kaiserliche Ehepaar seinen Untertanen vor allem den Frieden zu bringen. Schon der alte Kaiser Franz Joseph hatte es abgelehnt, seinen Nachfolger in die Kriegserklärung an Serbien, die den Weltkrieg indirekt auslöste, in irgendeiner Weise einzubinden. Damit wollte er die Aussicht auf eine bessere, friedliche Zukunft freihalten. Kaiser Karl gilt nach dem Zitat des französischen Schriftstellers Anatole France als „der einzig anständige Mensch, der in diesem Krieg auf einem führenden Posten aufgetaucht ist“, weil er ernsthaft alles daran setzte, den Krieg zu für alle Konfliktparteien annehmbaren Bedingungen zu beenden. Die separaten Friedensangebote Karls, die dem kriegstreibenden und beschwerlichen preussisch-deutschen Verbündeten geheim bleiblen sollten, werden zwar durch Zitas Brüder, die Prinzen Xaver und Sixtus von Bourbon-Parma, vermittelt, Initiator dieser Friedensmission war aber einzig Karl selbst, auch wenn Zita Bescheid wußte und voll hinter ihm stand. Anatole France über Karl: „Er wünschte ehrlich den Frieden, und deshalb wurde er von der ganzen Welt verachtet. So wurde eine einmalige Gelegenheit verscherzt.“

Video: der von Karl, Zita und Sohn Otto geleitete Trauerzug durch Wien beim Begräbnis von Kaiser Franz Joseph am 30. November 1916

Video: die Krönung Kaiser Karls I. von Österreich zum ungarischen König Karl IV. am 31. Dezember 1916 in Budapest

 

Video: Kaiserin Zita mit ihrem Bruder Prinz Sixtus von Bourbon-Parma