Exil in Nordamerika (1940-1953)

       Mit dem „Anschluß“ und der Invasion Österreichs durch Hitlers Truppen findet der Haß des „Führers“ gegen Habsburg keine Grenzen mehr. Schon der Name der Eroberung, „Operation Otto“, ist Programm: Der Erzherzog wird in den NS-Organen als „entarteter Habsburgersprößling auf der Flucht und Sohn des Verräterkaisers Karl“ bezeichnet. Ein Verhaftungsbefehl wird gegen die zwei in Österreich verbliebenen Söhne der Kaiserin erlassen: Felix und Adelheid müssen über Ungarn, Jugoslawien, Italien und Frankreich die Flucht nach Belgien ergreifen. Schon am 1. April 1938 werden leitende Persönlichkeiten der Pro-Habsburg-Bewegung ins KZ Dachau verschleppt, darunter Ottos Cousins Max und Ernst von Hohenberg, die Söhne des in Sarajewo ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand. Otto selbst wird am 22. April 1938 vom „III. Reich“ wegen Hochverrat zum Tode verurteilt - in Abwesenheit.
       Am 9. Mai 1940 wird Belgien von den deutschen Truppen erobert und zwei Tage später überfliegt die Luftwaffe das Haus in Steenokkerzeel. Die 17 Bewohner (darunter 3 Neffen, die Kinder der Großherzogin von Luxemburg sind) haben gerade noch Zeit, in ein Auto Richtung Frankreich einzusteigen; zwei Stunden später zersprengt eine Fliegerbombe das Dach des Hauses. „Ein Gruß des Herrn Hitler“, sagt Otto.

       Leben in der Provinz Québec

       Zum Glück hatte sich die Kaiserin den Fluchtweg schon lange ausgedacht. Die Reise ging über Spanien und Portugal in die USA nach New York, wo Zita allerdings nicht residieren wollte. Damit die vier jüngsten Erzherzöge ihr Studium fertigstellen konnten suchte sie nämlich eine katholische Universität und fand sie in Québecc[1]mit der Université Laval, einer berühmten französischsprachigen Hochschule. Von 1940 bis 1948 lebt die Familie in der von den Schwestern der hl. Johanna von Orléans zur Verfügung gestellten Villa St. Joseph in Sillery, in der Nähe von Québec. Das Haus ist nicht groß, aber groß genug für eine verkleinerte Familie. Die vier größeren Kinder leben nämlich in den USA und in England. Dort gehen sie einer beruflichen Tätigkeit nach oder verteidigen die Interessen ihrer Völker. Otto läßt sich in Amerika von seiner Mutter vertreten: Zita wird am 11. September 1943 von US-Präsident Roosevelt in seiner Residenz von Hyde Park zum Gespräch empfangen. Dabei plädiert sie für die Unabhängigkeit Österreichs und für das Projekt eines Bundes der Donauländer.[1]

                   

       Während des Weltkriegs ist der Lebensstandard der Familie in Québec ausgesprochen bescheiden. Die britische Prinzessin Alice[2], die Frau des Statthalters von Kanada (mit dem Titel eines Königs), berichtet, sie habe bei einem Besuch in Sillery den Eindruck gehabt, dass die Familie „sehr arm“ war. Man lebt von Spenden von Freunden und Getreuen. Die Hauptsache bleibt auch hier die Frömmigkeit. Eine Kapelle wird eingerichtet, wo ein Priester die hl. Messe alltäglich zelebriert. 

       Das stärkt Zita in ihrer Entschlossenheit, die leidenden Völker der alten Monarchie zu unterstützen: zu diesem Zweck sammelt sie Spenden und organisiert sie ca. 50 Vorträge in ganz Kanada zugunsten von katholischen Hilfswerken. Sie hat dafür mehr Zeit, weil die Kinder erwachsen sind. Und in der Tat ist die Spendensammlung ein Erfolg : Unterstützt von ihrer Mutter, der Herzogin Maria Antonia, ihrer Schwester, Prinzessin Isabelle, und ihrer jüngsten Tochter Elisabeth, sowie von Pfadfindern sortiert und verpackt Zita unzählige Hilfspakete. Die erste Aktion geht zugunsten der Erzdiözese Salzburg in der amerikanischen Besatzungszone Österreichs. Die zweite Vortragsreihe findet 1946/47 in den USA statt. Zita reist unermüdlich mit dem Zug durch das Land und gibt Interviews, um die Spendenfreudigkeit zugunsten von Österreichern und Ungarn zu entfachen. Bis 1948 schickt die Hilfsorganisation CARE Tausende von Paketen sowie liturgisches Gerät für zerbombte Kirchen.

         Die amerikanische Zeit

       Da die Nonnen in Québec neuen Bedarf an ihrem Haus hatten und Zita die Nähe ihrer Kinder suchte, war ein Umzug notwendig geworden. Weihnachten 1948 zieht Zita in ein Haus ein, das ihre Kinder, die nun alle erwerbstätig waren, für sie in Tuxedo Park, 60 km nordwestlich von New York, gekauft haben. Das Haus gehörte früher dem Schriftsteller Mark Twain. Hier sollte Zita Österreich einen letzten Dienst erweisen : Weil der US-Senat mehrheitlich überzeugt war, dass die Österreicher den Anschluß mit Nazideutschland mit Begeisterung bejaht hatten, sollte der kleine Staat von den Segnungen des Marshallplanes ausgeschlossen werden. In Abstimmung mit Otto lud deshalb Zita um die fünfzig Ehefrauen von Senatoren ein, um sie über den wirklichen Ablauf des Anschlusses zu informieren. Die Damen überzeugten dann ihre Ehemänner, das umfangreiche Hilfsprogramm doch auch Österreich zu gewähren. Das war der letzte politische Akt der Kaiserin, das letzte Zeichen der Verbundenheit mit ihrem Volk, auch mit denjenigen, die sie im Ersten Weltkrieges der Verschwörung mit dem Feind beschuldigten und nach dem Zweiten Weltkrieg den Zutritt ins Vaterland verweigerten - bis 1982.
Zum gleichen Zeitpunkt, am 11. Juli 1949, wurde auf Vorstoß des Erzbistums Wien der Seligsprechungsprozess für Kaiser Karl in Rom eröffnet, „zur Ehre Gottes und zum Wohl der Kirche, um unserer Zeit, die von Korruption, moralischer Zerstörung und Untergang von Ehe und Familie gekenntzeichnet ist, in der Person des Dieners Gottes den Fürsprecher zu geben, den sie so dringend nötig hat“ (Radio Vatican).

       Die Zeit der Eheschließungen und Geburten

       LWegen des Krieges konnten die Kinder Zitas erst ziemlich spät heiraten, zumal die Kaiserin Bedingungen stellt, die zwar nicht so streng wie in der Kaiserzeit sind, aber doch anspruchsvoll sind : Braut oder Bräutigam sollten mindestens von hohem Adel und vor allem katholisch sein. Sie wurde gehört. Denn Fakt ist, dass den Kindern Zitas die verheerenden Folgen zerstrittener Ehen und Familien erspart blieb. Mehrmals reist sie über den Atlantik, um den Hochzeiten beizuwohnen :
 - 1949 heiratet die jüngste Tochter Elisabeth Heinrich Prinz von und zu Liechtenstein in Lignières (Frankreich), der Residenz von Prinz Franz Xaver von Bourbon-Parma. Dieser Ehe entspringt das erste Enkelkind Zitas, den späteren österreichsischen Politiker Vinzenz Prinz Liechtenstein.
                         
 - 1950 wird die Hochzeit von Karl-Ludwig mit der belgischen Prinzessin Yolande de Ligne auf Schloß Beloeil in Belgien gefeiert. Das erste Enkelkind mit dem Namen Habsburg und der Erzherzogswürde, Rudolf, wird elf Monate später geboren.
 - 1951 ehelicht Erzherzog Otto Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen in Nancy, der Hauptstadt des dauerhaft mit Habsburg verbundenen Herzogtums Lothringen.
 

 - 1952 heiratet Felix Prinzessin Anne Eugenie d’Arenberg aus altem deutschen, inzwischen deutsch-belgischem Geschlecht im südfranzösischen Beaulieu.
 - 1953 findet in Tuxedo Park die Hochzeit von Rudolf mit der Gräfin Xenia Tschernischeff-Besobrasoff statt.

                      


[1] Durant cette période, de nombreuses familles royales sont exilées au Canada par les affres de la guerre. Rideau Hall, à Ottawa, sert essentiellement de refuge temporaire à ceux qui sont souvent apparentés au gouverneur général et à son épouse. Il s’agit du prince héritier Olav et de la princesse impériale Martha de Norvège, de la grande-duchesse Charlotte et du prince Felix du Luxembourg (frère de la Servante de Dieu), du roi Pierre de Yougoslavie, du roi George de Grèce, ainsi que la reine Wilhelmine avec son héritière, la princesse Juliana, et ses petites filles la princesse Beatrix et la princesse Margriet des Pays-Bas.
[2] Petite-fille de la reine Victoria, Alice, princesse de Grande-Bretagne (1881-1981) est l’épouse du major général prince Alexandre de Teck (1874-1957), comte d’Athlone, gouverneur général du Canada. À ce titre, il représente le roi du Royaume-Uni de Grande-Bretagne et d’Irlande du Nord dans ce dominion du Commonwealth où il porte le titre de roi du Canada.