Alleinerziehende Mutter (1922-1940)
Allein mit acht Halbwaisen
Zita zieht bald, am 19. Mai, von Madeira nach Spanien. Dort bringt sie im Königspalast von El Pardo ihre dritte Tochter, Elisabeth, zur Welt, am 31. Mai 1922. „Wie kann ich nun alles allein entscheiden? Karl hatte in allen Belangen die Entscheidung getroffen und alles geregelt“. Diese Aussage belegt, wenn das nötig ist, dass die alten Vorwürfe, wonach sie „der Mann der Familie“ war, und die damit verbundenen
Versuche, Kaiser Karl als schwacher Herrscher zu verleumden, gegenstandslos sind. Nun vertraut sich Zita allein Gott an, um die Kraft zu schöpfen, als Mutter und Chef des Hauses anstelle Ihres minderjährigen Sohnes Ottos zu fungieren. „Ich habe eine große politische Aufgabe, vielleicht eine einzige: Ich muß meine Kinder im Geiste des Kaisers erziehen, aus ihnen gütige und gottesfürchtige Menschen machen und vor allem Otto auf seine künftigen Aufgaben vorbereiten. Keiner von uns kennt die Zukunft, aber die Geschichte der Völker und Dynastien, die die Zeit nicht nach menschlichen, sondern nach viel längeren Maßstäben zählt, soll uns Zuversicht einflößen“.
In den Erziehungsaufgaben findet Zita den neuen Sinn Ihres Lebens. So lehnt sie das verlockende Angebot des spanischen Königs Alfons XIII. ab, die Erziehung Ottos im besten Internat Spaniens zu übernehmen, denn sie wollte die Aufgabe selbst schultern, nach österreichischen und ungarischen Vorgaben, wobei ehemalige Minister des Kaisers den Lehrplan aufstellten und die Prüfungen abnahmen. Zita zieht von Kastillien ins Baskenland um, wo großzügige Spender die Villa Uribarren in Lekeito solange wie nötig zur Verfügung stellen. Das Haus wurde später einem Hilfswerk vermacht. Die Erziehung Ottos wird dem Grafen Degenfeld und fünf Mönchen der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma anvertraut, während andere Privatlehrer für die jüngeren Kinder zuständig waren. Die Erziehung Ottos ist streng, aber dafür wird er seiner Mutter immer dankbar sein.
Auch Zita verordnet sich ein strenges Lebensrythmus. Sie geht um Mitternacht zu Bett, steht um 5 Uhr auf, um mit den Fischerfrauen die hl. Messe um 5.30 Uhr zu besuchen.
Um 7 Uhr werden die kleineren Kinder geweckt und während sie Bett und Schuhe in Ordnung bringen, erzählt Ihnen Zita aus der Vita des Tagesheiligen. Um 7.30 Uhr findet in der Kapelle die hl. Messe für die ganze Familie statt - die zweite für Zita. Die Jungen, die von ihrer Mutter katechetisch unterrichtet werden, sind dabei Ministranten.
Mit der Rückgabe einiger privaten Güter, die unter Zwangsverwaltung standen, und dank Spenden großer österreichischen und ungarischen Familien unter der Führung des Markgrafen von Pallavicini verbessert sich die finanzielle Lage. Mit den Spenden konnte sie als Chef des Hauses auch anderen enteigneten Familienmitgliedern oder bedürftigen Dienern aus der Zeit der Monarchie helfen. Aber selbst mit diesen Spenden war das Leben immer entbehrungsreich. Sparen musste man an allen Ecken und Enden.
Absolute Priorität den Erziehungsaufgaben
Der Umzug nach Belgien, wo Zita und die Familie zehn Jahre lang leben (1929-1940), ist vor allen Dingen auf die Erziehung Ottos, der Zita den Vorzug gibt, zurückzuführen. Zita will für ihren Sohn das bestmögliche Studium an einer katholischen Universität, nämlich Löwen. Die Familie setzt sich auf Schloß Ham, bei Steenokkerzeel, gut gelegen zwischen Brüssel und Löwen, nieder. Otto studiert an der Löwener Hochschule für Politik- und Sozialwissenschaften und macht dort 1935 seinen Doktor. Alle anderen Kinder gehen in französischsprachigen katholischen Schulen. Zita ist weiterhin von ihrer „zweiten Familie“
begleitet, darunter der private Beichtvater, ein ungarischer Benediktiner. In Belgien findet Zita den adäquaten Rahmen für die Erziehung der Kinder, das Leben ist eine Mischung aus lockerer Etikette und Landleben, zwischen dem „kleinen Hof“ der Vertrauten und der Pflege von 25 Ziegen und Schafen. Zita meidet strikt jede Mondanität und führt ein asketisches Leben. Sie hat zuviel gelitten, um nicht in allen Dingen Ernst zu bringen. Die wahre Quelle der Freude ist die Familie.
Video : Das Leben der Erzherzöge in Steenokkerzeel und an der Universität Löwen
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Am 20. November 1930 wird Otto volljährig. Der Auftrag Zitas ist sozusagen erfüllt. Von nun an ist er Chef des Hauses. Sie trifft keine Entscheidungen mehr, ohne den Rat Ottos zu holen. Sie stärkt nunmehr Otto den Rücken, z. B. als er sich um die Restauration der Monarchie bemüht, um Österreich vor Hitler zu retten. Das kleine Alpenland war so klein geworden, nachdem es ein so großes Reich gewesen war, dass viele sich nach einer Bindung an Deutschland sehnten. Eine der wichtigsten politischen Kräfte, die gegen den „Anschluß“ opponierten, waren die Monarchisten. Das waren keine Nostalgiker, die irgendwelche Privilegien zurückhaben wollten, sondern einfach Patrioten, die um die Gefahr des Nationalsozialismus wußten. Zita gibt der legitimistischen Bewegung einige Ratschläge und sorgt z.B. für eine besondere Berücksichtigung der katholischen Soziallehre im Wahlprogramm von Friedrich Ritter von Wiesner im Juli 1930.
Gespräch mit Erzherzog Rudolf über die Erziehung, die er von seiner Mutter, der Dienerin Gottes Zita, bekam.